Wangener Feuerwehr-Fahrzeug löscht künftig in der Ukraine

Flagge an der Drehleiter zeigt, wohin die Reise für das Wangener Löschfahrzeug geht. (Foto: bee)

Als das LF 24 am Donnerstag um 11.57 Uhr eine letzte Runde über den Hof der Wache dreht, gibt es nochmal Blaulicht und Martinshorn. Es ist ein gebührender Abschied für ein Löschfahrzeug, das wegen seiner ganz besonderen Ausstattung 30 Jahre lang so etwas wie das Schlachtross der Wangener Feuerwehr war.

Sein künftiger Einsatzort wird die Hafenstadt Odessa im Süden der vom Krieg gebeutelten Ukraine sein. Entsprechend ist die Stimmung geprägt von einer Mischung aus Wehmut und Stolz.

Viel Wasser unter Hochdruck

Legendär, einzigartig, hoher ideeller Wert: Wenn es um ihr geliebtes LF 24 geht, geraten sie bei der Wangener Feuerwehr regelrecht ins Schwärmen. Und fürwahr: Dieses Löschfahrzeug war alles andere als gewöhnlich, damals sozusagen eine Spezialanfertigung für die Wehr der Allgäustadt.

Dazu gehört nicht nur das riesige Fassungsvermögen von rund 3500 Litern Wasser, auch die wassersparende Hochdruckeinrichtung findet man in Deutschland ganz selten.

Das Wangener LF 24 war bei allen Bränden immer in vorderster Front dabei – 30 Jahre lang. Vor wenigen Monaten, als mit dem LF 20 der Nachfolger in Dienst genommen wurde, ist es ausgemustert worden, durch den Tüv wäre es altersbedingt nicht mehr gekommen.

„Es ist aber weiter voll funktionsfähig“, sagt Christoph Bock. Der Kommandant verbindet mit dem Löschfahrzeug ganz besondere Erinnerungen. Kein Wunder: Es habe ihn fast die gesamte bisherige Dienstzeit begleitet. „Ich bin unheimlich stolz auf das Fahrzeug, das ja auf Wangen zugeschnitten war“, sagt Bock. Und:

„Da ist jetzt schon Herzschmerz dabei. Da fährt was vom Hof, das schon immer da war.“

OB spricht von „vorbildlichem Einsatz“

Für diese – aus Allgäuer Sicht – letzte Fahrt ist vor allem Manfred Wolfrum verantwortlich. Der für die überregionalen Beziehungen zuständige „Außenminister“ der Wangener Wehr hatte vor einigen Monaten einen Anruf aus Frankfurt bekommen.

Von der dortigen Berufsfeuerwehr, die seit Beginn des Krieges schon mehrere Fahrzeug-Konvois Richtung Ukraine organisiert hatte, kam die Anfrage, ob man nicht auch das LF 24 dorthin überführen könne. Die Stadt willigte laut Wolfrum sofort ein und trug die Idee mit.

OB Michael Lang schaute dann auch bei der Abfahrt vorbei und sprach von einem „besonderen Moment“, einer „sinnvollen Verwendung“ und vom „vorbildlichen Einsatz, die Hilfe für die Ukraine mit einem eigenen Wangener Team“ zu verwirklichen.

Bedienungsanleitung in zwei Sprachen

Dazu gehört auch ein 30-seitige, für den künftigen Verwendungsort geeignete Bedienungsanleitung. Sie hatte Stephan Wiltsche erstellt, mit viel Aufwand und in zwei Sprachen: deutsch und ukrainisch. Es ist ein Ordner, mit vielen farbigen Skizzen und Bildern, die als eine Schulungsmaterial dienen sollen.

„Da stecken 20 Stunden Arbeit dahinter“, so Wiltsche. Nur wenn man wisse, wie alles funktioniert, könne man die besondere Ausstattung des LF 24 auch nutzen.

Stephan Wiltsche hat die Bedienungsanleitung für das LF 24 in deutsch und ukrainisch erstellt. (Foto: bee)

Ein hilfreiche Ersteinweisung in das Löschfahrzeug für die ukrainischen Kollegen dürfte es bei der Übergabe auch von der Wangener Abordnung geben. Neben Wiltsche und Wolfrum sind das Christoph Bührer, Josef Brauchle und Andreas Titel – alles Leute, die das Löschfahrzeug und seine Gerätschaften in- und auswendig kennen.

1500 Kilometer bis Krakau

Das fünfköpfige Team fuhr am Donnerstag erst nach Frankfurt und war dort in der Feuerwache zwei untergebracht. Am nächsten Vormittag gab es in der Hauptwache die offizielle Verabschiedung vom ukrainischen Generalkonsul.

Das Wangener Feuerwehrteam wurde auf der Frankfurter Hauptwache vom ukrainischen Generalkonsul Vadym Kostiuk (m.) und Detlef Braun, Sponsor vom Union-Club und Geschäftsführer der Messe Frankfurt(2.v.r.), verabschiedet. (Foto: privat)

Extra erwähnt wurde von den Frankfurter Organisatoren das Wangener Fahrzeug, wie Stephan Wiltsche berichtet, als „Schlachtross und einer der stärksten Feuerwehrfahrzeuge überhaupt, das in Odessa sicherlich hoch willkommen sei“.

Dann setzte sich der Konvoi, bestehend aus sechs Fahrzeugen, gen Osten in Bewegung – in einem geschlossenen Verbund und mit Blaulicht auf der Autobahn. Die Ankunft am nächsten Etappenziel Dresden war für den Abend eingeplant, von dort geht es am Samstag weiter nach Krakau, insgesamt sind es dorthin von Wangen aus rund 1500 Kilometer.

Ernste Lage, traurige Sache

Irgendwo zwischen der polnischen Großstadt und der ukrainischen Grenze sollen die Fahrzeuge dann übergeben werden, Ort und Zeit sind geheim. „Wir merken jetzt schon, dass das eine ganz ernste Lage ist“, berichtete Stephan Wiltsche am Freitag. Private Bilder von der Übergabe zu verschicken, sei beispielsweise nicht erlaubt.

„Ein polnischer Begleiter sagte uns, dass seit Kriegsbeginn 300 ukrainische Feuerwehrleute im Einsatz gestorben seien“, ergänzt Wiltsche. „Eine traurige Sache.“

Für die Wangener Abordnung ist Krakau Endstation. Ein Teil fliegt am Sonntag wieder nach München zurück, der andere schaut sich noch die Stadt an und folgt einen Tag später. Alle fünf Wangener Feuerwehrleute werden sicher ganz speziellen Eindrücke ins Allgäu mitbringen. Verbunden mit Wehmut beim Abschied des LF 24, aber auch mit Stolz, mit einem solch besonderen Fahrzeug der Ukraine geholfen zu haben.

Quelle: szon.de