Sturmtief „Sabine“: Baum begräbt Wangener B32-Blitzer unter sich – und beinahe ein Auto

Datum: 10. Februar 2020
Alarmierungsart: T1 – technische Hilfe klein, Z4 – Zusatzalarmierung sehr groß, Z5 – Zusatzalarmierung Vollalarm
Art: Technischer Einsatz
Einsatzort: Wangen im Allgäu
Fahrzeuge: KdoW, DLK23/12, LF20TS, RW2, MTW1, LF8 – DEU, LF10 A – KAR, LF10/6 – LEU, LF10 – NRV, LF8/6 – NDW, LF8 – SCHOM
Weitere Kräfte: DRK-Wangen-SEG, Polizei, Städt. Bauhof


Einsatzbericht:

12.20 Uhr: Auch Wangener Wehr ist im Dauereinsatz

Auch die Wangener Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Seit 8 Uhr sei das Gerätehaus am Südring als Einsatzzentrale eingerichtet worden, wo alle Alarme aus der Region eingehen, wie Gesamtkommandant Christoph Bock berichtet. Seit 9 Uhr seien auch alle Feuerwehrhäuser der Abteilungen besetzt.

„Viele Bäume liegen auf der Straße, viele Straßen durch Wälder sind gesperrt“, so Bock weiter. „Rund um Wangen ist alles im Einsatz.“ Die Zahl der beteiligten Feuerwehrleute schätzt der Kommandant auf 150.

Konkret hatte es die Wangener Wehr neben dem schweren Lkw-Unfall auf der A96 mit einem abgedeckten Dach in der Maria-Catharina-Reich-Straße zu tun, wo es eine Art Wellen-Eternit-Abdeckung auf die Straße wehte. Mit der Drehleiter wurde der Schaden begutachtet.

Diverse Waldstücke und Straßen durch Wälder mussten wegen der Gefahr umstürzender Bäume gesperrt werden. Betroffen sind laut Bock beispielsweise die Bereiche Primisweiler/Pflegelberg, Wittwais/Ölmühle, Allewinden Richtung Saamen und Wangen Richtung Herzmanns. „Viele Bäume stehen bedenklich schief“, sagt Christoph Bock. „Wir warten, bis der Wind nachlässt, ehe wir da rein gehen, das ist sonst zu gefährlich.“ Insgesamt wurden an dem Montag 30 Einsatzstellen abgearbeitet, hauptsächlich umgestürzte Bäume.

Das Sturmtief „Sabine“ hat am Montag auch in Wangen gewütet und dabei für eine gute halbe Stunde den Verkehr auf der Hauptverkehrsader B32 lahm gelegt.

Zwei mächtige Tannen stürzten am Ortsausgang Richtung Ravensburg auf die Bundesstraße, zerstörten den dortigen Blitzer und hätten beinahe auch ein Auto unter sich begraben. Eine fast schon kuriose Geschichte über Glück im Unglück.

Diesen Augenblick werden Norbert und Claudia Mast aus dem Leupolzer Weiler Missen so schnell wohl nicht vergessen. Bei ihnen zuhause war am Montag wegen des Sturms seit 10 Uhr der Strom ausgefallen. Und so beschloss das Paar, zum Mittagessen nach Wangen zu fahren.

Kurz vor 13 Uhr passieren die beiden also in ihrem Auto auf der B32 das Ortsschild und Norbert Mast blickt gewohnheitsmäßig erst auf seinen Tacho und dann auf den Blitzer, der rechts auf Höhe der Wittwaissiedlung steht. „Ich habe mich ganz darauf konzentriert, sodass ich gar nicht mehr auf den so schnell umstürzenden Baum reagieren konnte.“

Was dann passiert, ist eine Sache von Sekundenbruchteilen. Die Masts sehen durch die Windschutzscheibe noch die ersten Tannenzweige, die auf den rechten Kotflügel prallen.

Dann hören Sie, wie es an der Seite und auf dem Dach ihres Auto knirscht und kratzt, und schließlich, als sie unmittelbar am Blitzer vorbei sind, einen krachenden Aufschlag. Norbert Mast bringt den Wagen nach wenigen Metern zum Stehen, beide blicken hinter sich und sehen zunächst: einen riesigen Nadelbaum, der über der Bundesstraße liegt.

Genauer gesagt sind es zwei mächtige Tannen, die der Wintersturm auf die B32 hat stürzen lassen. Und den Masts wird immer mehr bewusst, dass sie trotz der ramponierten Stellen am Fahrzeug mit einem blauen Auge davon gekommen sind. „Wir sind Gott sei Dank noch knapp unter dem Baum hindurch- und mit dem Schrecken davongekommen“, so Norbert Mast. „Ich mag mir gar nicht ausdenken, was passiert wäre, wenn wir nur einen winzigen Augenblick später an der Stelle vorbei gefahren wären.“

Ein Blick auf den Blitzer macht deutlich, was im schlimmsten Fall hätte passieren können. Die Stämme der beiden mächtigen Tannen liegen auf beiden Seiten der Säule, die Aufhängung des demolierten Kamerakastens ist gebrochen, die Kamera ziemlich sicher nicht mehr zu gebrauchen. Wenn man so will: Totalschaden.

Der entlockt so manchem Feuerwehrmann ein zartes Grinsen. „Mensch, da werden sich aber die ärgern, die kurz vorher noch zu schnell durchgefahren sind“, sagt einer. Dann machen sich die Einsatzkräfte der Abteilungen Stadt und Deuchelried ans Werk: In Minutenschnelle sind die beiden Stämme entastet und zerteilt und die Überreste der Bäume weggeräumt. Gegen 13.30 Uhr kann der Verkehr, der sich auf beiden Seiten der Unfallstelle auf der B32 angestaut hatte, wieder fließen.

Norbert und Claudia Mast dürften da schon ihr Mittagessen genossen haben – vielleicht noch ein wenig mehr als sonst.

Quelle Bericht/Bilder: szon.de